Wie Carla auf die Welt kam.

Als es schließlich dienstags abends ernsthaft losging mit Carlas Geburt, hatten wir uns eigentlich schon innerlich darauf eingestellt, dass es in dieser Nacht sicher nicht mehr passieren würde. Der prognostizierte Termin war Dienstag der 14. Juli, doch die wenigsten Babys kommen ja termingerecht...

Noch am Montag war Simone beim Arzt gewesen. Ihr Muttermund war zu diesem Zeitpunkt nur ganz wenig geöffnet. Arzt und Hebamme strahlten große Zuver­sicht aus, dass Simone am Mittwoch zum nächsten Vorsorgetermin zwecks Überprüfung der Herztöne und Wehen wieder erscheinen werde. Sicherlich gab es einige kleine Anzeichen, dass es nun langsam in die Endrunde gehen würde. Simone musste ihren Aktionsradius deutlich einschränken und konnte am Montagabend auch schon einige deutliche Vorwehen spüren, die sich aber letztlich wieder beruhigten, so dass wir insgesamt überzeugt waren, dass es doch noch ein paar Tage dauern würde.

Nachdem Simone den Dienstag einige Zeit tagsüber schlummernd und dösend auf dem Sofa verbracht hatte und sich dabei auch mit den Verbesserungsmöglich­keiten unserer Lebensversicherungen beschäftigt hatte, machten wir abends, als ich aus der Uni kam, einen schönen kleinen Spaziergang um unseren Straßenblock. Dabei hatte sich Simone mit einem Schal eine Bauchbinde gebastelt, um den dicken, schweren Bauch besser tragen zu können. Während des kurzen Spa­ziergangs mussten wir bereits zweimal stehen bleiben, weil sie kleine Vorwehen pieksten. Zurück daheim, entschloss sich Simone, wie schon häufiger in den letzten Wochen, zur Entspannung noch ein Bad zu nehmen. Die Wehen beruhig­ten sich. Danach legte sich Simone aufs Sofa und wir schalteten den Fernseher ein, wobei sie an diesem Abend sicher nicht die aufmerksamste Zuschauerin war, weil doch hin und wieder eine Wehe angeschwappt kam, auf die sie sich konzen­trierte. So hing sie eher wie ein Schluck Wasser im Sofa.

Dennoch glaubten wir zu diesem Zeitpunkt nicht, dass bis zum nächsten Morgen noch etwas Aufregendes passieren würde. Auch wenn wir beide innerlich sicher schon in Wartestellung gegangen waren, und es nun hieß, irgendwie die Zeit zu überbrücken. Bis kurz vor 23 Uhr hatte ich ein zweites Bier aufgemacht und Simone sich schließlich bereits ins Bett gelegt, in der Hoffnung, dass sich die Wehentätigkeit so wieder beruhigen ließe. Obschon zwei Wehen bis dahin schon etwas schmerzhafter gewesen waren, stellten wir uns also auf eine ruhige Nacht ein.

Kurz nach 23 Uhr kam Simone jedoch wieder ins Wohnzimmer und meinte, sie hätte eben eine einzelne ziemlich heftige Wehe gespürt und ich solle doch bitte mal die Dauer und den Abstand zur nächsten Wehe messen. Die nächste Wehe kam und dauerte immerhin eineinhalb Minuten. Simone selbst war von der Dauer überrascht. Nach ihrem Zeitempfinden hatte sie geglaubt, die Wehe sei höchstens zwanzig Sekunden lang. Recht aufgeregt lasen wir daraufhin beide auf dem von der Hebamme ausgeteilten Zettel nach, was Wehen von dieser Länge bedeuteten. Dort stand klipp und klar, dass eineinhalbminütige Wehen bereits muttermundswirksam sind. Mit dem Blick auf die Uhr verfolgten wir dann den Abstand zur nächsten Wehe. Der Rhythmus lag zu diesem Zeitpunkt - es war jetzt schon Mitternacht - bei etwa einer viertel Stunde. Die Kontraktionen waren dabei schon so schmerzhaft, dass Simone - wir lagen auf dem Schlafsofa im Wohnzimmer - in sich versunken und ganz auf den Schmerz konzentriert war, aber sie waren auch wiederum nicht so stark, dass sie die eingeübten Atemtechniken hätte anwenden müssen.

Deutlich verunsichert wussten wir beide nicht recht, was jetzt zu tun sei. Das Geburthaus rechnete ja überhaupt nicht mit uns. Und der Arzt hatte tags zuvor diagnostiziert, dass es noch eine Woche dauern könnte. So dachten auch wir beide nicht wirklich, dass die Geburt nun so konkret bevorstehe bzw. seit einer Stunde quasi schon eingeleitet war. Immerhin fassten wir beide dann doch den Entschluss, das Geburtshaus vorzuwarnen. Die Überlegung war auch, lieber um Mitternacht die Hebamme wach klingeln als morgens um 2 Uhr. Wir waren uns einfach unsicher, wie wir uns nun während der Nacht verhalten sollten, falls die Wehen anhielten.

Anke, die Hebamme, lies sich von mir am Telefon zunächst die wichtigsten Details schildern - Simone wollte, dass ich anrufe - wollte dann aber noch einmal in der nächsten Wehenpause mit Simone sprechen. Genaues konnte und wollte Anke durchs Telefon nicht sagen, insbesondere in welcher Phase wir bzw. Simone sich nun befanden. Sie meinte nur, wir sollten einfach abwarten, und wenn die Abstände zwischen den Wehen kürzer würden oder deren Intensität sich verstärkte, könnten wir in ein bis zwei Stunden noch einmal anrufen. Womit wir nach wie vor nicht wussten, ob wir nun genau dem Klischee des überreagierenden erstgebärenden Paares entsprachen bzw. wie ernst die Lage nun wirklich war.

Auch wenn wir uns unserer Sache selbst nach dem Telefonat nicht sicher waren, ließ mich Simone geistesgegenwärtig ihre Verabredung zum Frühstück für den nächsten Morgen mit ihrer Freundin Rolli vorsorglich absagen. Und auch ich entschied mich, lieber meinen Kollegen John wie verabredet anzurufen, damit er darauf vorbereitet war, mich am morgen bei der Klausuraufsicht zu vertreten. Während ich bei Rolli nur den Anrufbeantworter erreichte, hatte John nicht angestellt, so dass ich nach einigem Telefonklingeln eine hörbar verschlafene Silke, Johns Frau, an der Strippe hatte.

Nachdem Simone die ersten Wehen im Liegen durchgestanden hatte, fing sie nun an während der Wehe herumzulaufen und zwischendurch sich sitzend auszuruhen. Anfangs hatte sie begonnen den Schmerz mit kurzen, scharfen f's wegzuatmen, doch schon bald nach dem ersten Anruf bei der Hebamme reichte diese Atemtechnik nicht mehr aus um den Schmerz in den Griff zu bekommen, und sie wechselte zu langen tiefen o's und a's, wie sie es im Yogakurs gelernt hatte. Die Wehen kamen nun sehr bald im Zehnminuten Abstand und dauerten stets mehr als eine Minute.

Zu Beginn stand ich etwas hilflos mit dem Wecker in der Hand in Simones Nähe, konnte mich allerdings nicht voll auf das Stoppen von Sekunden konzentrieren, und fragte mich ständig, ob das nun das Vorspiel eines sehr langen Geburtsvorgangs sei, oder bereits wirklich „the real thing". Als Simone dann mit den o's und a's begann, stieg ich mit ein. Wir hatten dies zwar eine Woche zuvor in einem Partneratemkurs zur Geburtsvorbereitung geübt, aber ich glaube, dass meine eigenen Erfahrungen bzgl. Entspannungs- und Meditationsübungen, auch wenn diese eher aus meiner Teenyzeit stammen, mir in dieser Situation zusätzlich sehr geholfen haben. Der Sinn dieses Tönens ist ja, dass man sich in diesen Ton während des Schmerzes fallen lässt. Das Mittönen macht den Ton tiefer und breiter, was bestimmt eine gewisse Sicherheit oder vielleicht Geborgenheit vermittelt.

Jedenfalls wanderten wir tönend durch unsere Wohnung, während die Wehen stärker und häufiger wurden. Simone wurde auch etwas übel. Also kochte ich zwischendurch noch etwas Kamillentee und trug eine Tasse Tee hinter ihr her. Trotz der stärker werdenden Schmerzen machte sich Simone noch Gedanken wegen der Ruhestörung für die Nachbarn, was mir offen gestanden in dieser Situation herzlich egal war.

Gegen ein Uhr hatten sich die Dinge so weiter entwickelt, dass wir nicht noch eine weitere Stunde warten wollten, um die Hebamme erneut anzurufen. Etwas geistesabwesend drückte ich zunächst die Wahlwiederholung und klingelte damit meinen Kollegen John und Silke ein zweites Mal aus dem Bett. Das Gespräch mit Anke, der Hebamme, verlief ähnlich wie das erste. Zunächst schilderte ich die Lage und versuchte noch einmal herauszubekommen, in welchem Stadium wir uns nun befanden. Anschließend sprach sie mit Simone, die sich zu diesem Zeitpunkt ins Bad zurückgezogen hatte, wo sie die Wehenpausen sitzend auf dem Klodeckel verbrachte und den Wehenschmerz im Stehen oder langsam durch Bad und Flur wandelnd veratmete. Als die nächste Wehe einsetzte hielt Simone den Telefonhörer von sich. Ich dachte, sie wollte ihn mir zurückgeben und setzte gerade zur unvermeidlichen Frage nach dem weiteren Vorgehen an, als mich Anke mit einem deutlichen „Schhhhh" abwürgte. Anke wollte sich aus der Ferne Simones Wehentönen anhören. Danach einigten sich Simone und Anke darauf, dass wir weiter abwarten sollten, und in ein oder zwej Stunden wieder anrufen sollten, falls die Lage sich veränderte. Schließlich meinte Anke noch zu mir, es könnte sein, dass wir Glück hätten, was soviel bedeutete, dass die Geburt eventuell doch schon über Nacht beginnen würde.

Das Telefongespräch hatten wir bereits im Bad geführt, da Simone wegen ihrer Übelkeit in der Nähe des Waschbeckens sein wollte. Die folgende Stunde blieben wir im Bad. Die Wehen wurden so stark, daß Simone nun mit Beginn jeder Wehe nur noch aufstand und sich an unserer Waschmaschine festhielt. An Umherwandern war nicht mehr zu denken. Ich hielt mit der rechten Hand ihre Hand, und stützte sie auch etwas. Die linke Hand legte ich, wie im Kurs gelernt, in der Nierengegend auf ihren Rücken. Und natürlich tönten wir weiterhin gemeinsam.

In dieser Situation war es natürlich nicht ganz einfach, auch noch die Zeit zu stoppen. Doch es ging ja auch nicht um die exakten Sekunden. Immerhin konnte ich feststellen, dass sich der Rhythmus der Wehen mittlerweile auf einen Fünf-Minuten Takt eingestellt hatte. Manchmal kamen auch zwei, etwas schwächere Wehen im Abstand von nur einer Minute.

Zweifellos wurde es nun wirklich ernst, und wir stellten uns langsam die Frage, wann wir nun ins Geburtshaus aufbrechen sollten bzw. dürften.)Gegen zwei Uhr - also früher als eigentlich vereinbart - riefen wir erneut bei Anke an, und nachdem sie sich noch einmal eine Wehe von Simone übers Telefon angehört hatte  und Simone ihr auch sagte, sie könne sich bald nicht mehr vorstellen, noch das Haus zu verlassen, verabredeten wir uns für halb drei Uhr im Geburtshaus.

Die Fahrt dauerte ungefähr fünf Minuten. Wir hatten also noch fünfundzwanzig Minuten. Allerdings waren wir beide im Nachthemd bzw. Schlafanzug, und es war eine ziemliche Herausforderung für Simone, sich zwischen den Wehen noch anzuziehen. Aber sie wollte nicht einfach im Bademantel ankommen. Beim Anziehen der Hose half ich ihr. Socken hatte ich ihr bereits eineinhalb Stunden zuvor angezogen. Die fünfundzwanzig Minuten waren letztlich keine Minute zuviel. Zunächst musste ich zwischen den nächsten Wehen Simone aus dem Bad ins Schlafzimmer führen, dann galt es noch etwas Kamillentee für die Thermoskanne zu kochen, mich selbst anzukleiden, Simone beim Anziehen zu helfen, Koffer, Taschen und Babytragetasche im Auto zu verstauen und schließlich Simone ins Auto zu verfrachten.

Es war eine eher laue Sommernacht. Ein leichter, warmer Wind wehte und einige dunkle Wolkenfetzen waren am Himmel zu erkennen. Als wir zum Auto gingen, nieselte es etwas. Die Stimmung dieses Wetters und die Ruhe der Nacht erinnerten mich stark an nicht näher bestimmte Eindrücke aus vergangenen, sommerlichen Urlaubsreisen.

Im Auto angekommen begann die nächste Wehe. So fuhren wir tönend mit etwa 30 bis 40 Stundenkilometern durch die leeren Straßen zum Geburtshaus. Selbst in ihrem Zustand schaffte es Simone noch, mich zweimal bezüglich meines Fahrstils zu kritisieren. Ich wertete dies als einen Hinweis darauf, dass es ihr zweifellos schlechter hätte gehen können. Am Geburtshaus angekommen ließ ich zunächst Simone aussteigen, um dann auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu parken. Simone fragte erst etwas hilflos, was sie denn solange allein tun sollte. Also sagte ich ihr, sie könne ja am Rande des Bürgersteigs auf der kleinen Steinmauer auf mich warten, was sie dann auch tat.

Die Szenerie, die sich mir von der anderen Straßenseite aus bot, hat sich mir stark eingeprägt. Wie Simone da auf dem Mäuerchen saß und halblaut vor sich hin tönte, wirkte sie eher wie ein Häuflein Elend. Darüber war im ersten Stock bereits gedämmtes Licht zu sehen und der bewegte Schatten der Hebamme, die oben bereits die letzten Vorbereitungen für unsere Ankunft traf, war am Fenster zu erkennen.

Langsam mit ein, zwei Unterbrechungen arbeiteten wir uns, ich Simone stützend, zur Wohnung im ersten Stock des typischen Berliner Altbauhauses vor. Das Geburtshaus Steglitz besteht aus zwei übereinander liegenden Wohnungen, die miteinander verbunden sind. Wobei nur die Wohnung im ersten Stock für die eigentlichen Geburten vorgesehen ist. Glücklicherweise gibt es um die Wohnung nur Arztpraxen und Kanzleien, also keine direkten Anwohner.

An der Wohnungstür angekommen, wurde auf unser Klingeln geöffnet. Vor uns stand eine schlanke, blonde Frau mit einer kleinen modischen Brille. Sie sah vielleicht etwas jünger als wir aus. Das war also die Frau, mit der wir zuvor telefoniert hatten und in deren Hände wir mehr oder weniger die nächsten wichtigen Stunden unseres Lebens und das unseres Babys legten. Simone hatte Anke, wie auch die anderen Hebammen des Geburtshauses, bereits bei ihren Voruntersuchungsterminen beim Frauenarzt im gleichen Haus kennen gelernt. Ich sah sie nun zum ersten Mal. Aus den drei Telefonaten war ich mir mit ihr nicht sicher, ob sie mich bereits in irgendeine Männer- bzw. Väterschublade gesteckt hatte, etwa nach dem Motto „redet gern für seine Frau, obwohl die sehr gut für sich selbst sprechen kann1" oder ähnliches. Dieses Gefühl sollte sich zwar bald in Luft auflösen, doch die ersten Minuten kam ich mir schon etwas wie auf einem Präsentierteller vor. Jedenfalls musste ich mich zunächst etwas überwinden, beim Tönen - jetzt quasi unter Aufsicht - wieder mit einzusteigen.

Im laufenden stellte sich heraus, dass Anke genau die richtige Hebamme für uns bzw. für Simone war. Sie strahlte eine große Ruhe und Sicherheit aus, hielt mit Anweisungen sehr zurück oder kleidete diese in Empfehlungen oder Vorschläge. Zudem hatte sie Humor.

Anke machte uns also auf, ließ uns herein und meinte, wir sollten uns wie zu hause fühlen. Ich musste erst mal das Gepäck an einen entsprechenden Platz abstellen. Währenddessen stand Simone noch etwas unschlüssig und verloren im Gang der Wohnung. Eigentlich wollte sie sich gleich fertig umziehen und dann aufs Bett legen. Doch Anke sagte, sie solle ihr Nachthemd noch nicht anziehen, sie wolle sie erst untersuchen, wie weit der Geburtsprozess schon fortgeschritten sei. Für uns war das ein Signal dafür, dass offensichtlich immer noch nicht geklärt war, ob es nun wirklich losging oder ob wir vielleicht doch noch mal nach hause geschickt würden.

Die Untersuchung ergab, dass der Muttermund bereits circa sechs Zentimeter geöffnet war, ein klares Zeichen dafür, dass der eigentliche Geburtsprozess bereits im Gange war. Wir durften also da bleiben. Simone zog schnell ihr Nachthemd an, und richtete sich dann auf dem großen Bett ein. Zunächst legte sie sich auf den Rücken, wobei das Kopfteil des Bettes angewinkelt war. Ich setzte mich auch aufs Bett, so dass ich etwas nach hinten versetzt neben ihr war, ihre Hand halten und nahe bei ihr mittönen konnte. Ab und an musste ich jedoch aufstehen, um Simone eine Tasse Kamillentee zu holen, oder - allerdings nicht so oft, wie ich mir das vorher vorgestellt hatte- einen nassen Waschlappen zu holen. Zu Beginn merkte ich gar nicht, dass jedes Mal beim Aufstehen das Bett, von meinem Gewicht entlastet, mit einem starken Ruck nach oben stieg, was für Simone natürlich nicht sehr angenehm war. Doch beim zweiten mal machte Simone mich darauf aufmerksam, und fortan stand ich vorsichtiger auf.

Nun mit dem Nachthemd auf dem Bett wurde Simone an einen Herztöne- und Wehenschreiber angeschlossen. Ich sah dieses Gerät zum ersten mal, Simone kannte das Verfahren von der Voruntersuchung vom Montag. Zunächst hörte Anke die Herztöne ab. Für den Laien ist das Tempo der Schläge ja eher beäng­stigend - wie eine kleine ächzende Lokomotive - genauso wie später der Atemrhythmus des Babys. Doch laut Hebamme war alles wunderbar. Die nächsten zehn oder zwanzig Minuten lief der Schreiber nun mit. An der Anzeige konnte ich das Kommen und Gehen der Wehen verfolgen. Zum Teil stieg die Zahl in der Anzeige von 9 auf ungefähr 24 oder 26. Ich wusste jedoch nicht, was da nun eigentlich mit den Zahlen ausgedrückt wird. Ich fragte zwar einmal bei Anke nach, aber diese hatte sichtlich kein großes Interesse, mir irgendwelche technischen Dinge näher zu bringen, was ja an Simones Situation auch wenig geändert hätte.

Diese ersten ein bis eineinhalb Stunden im Geburtshaus habe ich als relativ gleichförmig in Erinnerung. Die Wehen kamen und gingen alle zwei, drei Minuten. Zwischendurch brachte ich mal einen Schluck Kamillentee - später gab Anke Simone anstelle unseres Tees eine in Wasser aufgelöste Mixtur -, holte den Waschlappen, oder blieb einfach bei Simone. Die Wehen wurden auch noch etwas stärker. Doch die Fruchtblase war noch nicht geplatzt und Simone meinte, sie spüre einen starken Druck im Becken. Anke untersuchte Simone noch mal und stellte fest, dass der Muttermund bereits vollständig geöffnet war, womit klar war, dass die Eröffnungsphase abgeschlossen war. Es war etwa kurz vor vier, draußen dämmerte es schon langsam.

Anke schlug Simone vor, sie solle doch noch mal aufs Klo gehen, bevor die Pressphase eintreten würde, außerdem könne dies auch helfen, dass sich die Fruchtblase öffnet. Simone konnte sich zunächst gar nicht verstellen, noch einmal vom Bett aufzustehen, doch nach überzeugendem Zureden von Anke schaffte sie es, und wir führten sie ins Bad. Dort angekommen, zog sich Anke zurück, und auch ich dachte, es sei besser, Simone einen Augenblick auf dem Klo allein zu lassen. Doch kaum hatte ich die Tür hinter mir zugezogen, begann Simone so herzzerreißend zu schreien, dass es mir ganz schön in die Knochen ging. Anke meinte, ich sollte doch besser schnell wieder rein gehen. Doch in diesem Moment war ich für Simone keine große Hilfe. Sie hielt zwar meine Hand und meinte immer wieder sie könne jetzt nicht mehr, aber überwiegend fixierte sie sich jetzt auf die Hebamme, die bald bei uns war.

In ihrer Panik hatte Simone das Atmen und Tönen vergessen. In dieser Hektik redeten Anke und ich auf sie ein, um sie wieder zu beruhigen und zu ihrem Rhythmus zurückzuholen. Dabei sagte ich allerdings ständig statt „tief atmen, tief atmen" „pressen, pressen^ bis mich ein strenger und irritierter Blick von Anke traf, und ich merkte, was ich gerade für einen Unsinn anstellte.

Die Minuten auf dem Klo waren wohl die problematischste und entscheidendste Phase der Geburt. Entweder Simone vertraute voll auf die Hebamme, oder die Situation kippte womöglich. Nicht auszumalen wie es dann weitergegangen wäre. Doch glücklicherweise hat Anke die Situation klar für sich entschieden. Simone auf dem Klo sitzend und immer wiederholend, sie könne nicht mehr, es ginge einfach nicht, ich etwas hilflos neben ihr stehend, ihre Hand haltend, kniete Anke vor ihr, die andere Hand haltend, und redete auf Simone ein, dass sie das schon schaffe, sie ja schon vieles hinter sich habe und den Rest auch noch schaffe, und viele Frauen das auch schon durchgemacht hätten.

Schließlich schaffte sie es durch geschickte Überzeugungsarbeit, dass Simone mit uns wieder zum Bett ging, und sich dort jetzt aber auf die Seite legte. (Ich hatte, nach dem die Fruchtblase geplatzt war, plötzlich einen sehr starken und schmerzhaften Druck, eher wie ein inneres Reißen im Becken gespürt und dabei auch Panik bekommen, weil mir schlagartig klar wurde, dass ja jetzt noch das Kind durch mein Becken durchtreten musste. Dies erschien mir ganz und gar abwegig. Ich war vollkommen davon überzeugt, dass dieses Durchtreten des Kindes bei mir nicht gelingen werde und dachte nur daran, Anke jetzt möglichst schnell von diesem Fakt - der ihr offensichtlich bis dahin entgangen war - zu überzeugen, um schnellstmöglich ins Krankenhaus eingeliefert zu werden, um dort durch Kaiserschnitt das Kind zu holen.)

Spätestens jetzt war klar, dass der Muttermund offen, die Fruchtblase geplatzt und damit die Eröffnungsphase vorbei war, und nun die so genannte Austrei­bungsphase beginnen würde. Damit hatten wir über die Hälfte der Geburtsphase bereits hinter uns, auch wenn Simone es einfach nicht glauben wollte, obwohl ich einige Male versuchte es ihr mitzuteilen.

Mit dem Beginn der Presswehen wurden die Schmerzen für Simone noch stärker. Wir hatten schon eine ganze Weile auf „aaau getönt. Doch nun scherte Simone immer öfter aus, und schrie vor Schmerz. Dabei wurde ihre Stimme auch sehr hoch und es war klar zu spüren, dass sie damit den Druck nicht in den Bauch, sondern in den Kopf lenkte. Damit wurde meine Aufgabe, mit ihr zu tönen und sie an das tiefe Einatmen zu erinnern, immer wichtiger. Ich legte mich wieder an ihren Rücken und versuchte, ihr möglichst tief ins Ohr zu brummen. Anke hatte sehr bald vorgeschlagen, wir sollten doch auf „mmhh" tönen. Mit geschlossenem Mund lässt sich nun mal schlecht schreien.

Dennoch war es für Simone nicht leicht, von dem intuitiv nahe liegenden Schreien abzusehen. Zu Beginn hielt sie die Hebamme fest und ließ sie auch nicht aus den Augen. Dabei riss sie auch während der Wehen ihre Augen weit auf, was sehr schnell zu geplatzten Adern führen kann. Deshalb redete Anke immer auf sie ein, sie solle die Augen schließen. Außerdem versuchte Anke zu verhindern, dass sich Simone nicht innerlich noch gegen den Pressvorgang stellte, also sich verkrampfte, und damit die Geburt unnötig verlängerte und erschwerte. Deshalb fragte sie Simone, ob es noch irgendetwas gäbe, wovor sie Angst hätte. Simone meinte, ja, sie hätte Angst, dass sie das Baby mit jeder Wehe nur etwas nach vorne treiben würde, dieses aber danach wieder zurück rutschte. (Tatsächlich hatte ich ziemliche Angst vor dem Pressen bzw. vor den damit verbundenen höllischen Schmerzen, die sich andeuteten. Eine dumme Situation, weil der innere Impuls zum Pressen mit jeder Wehe stark war und zunehmend stärker wurde und andererseits der Pressschmerz ein ganz schlimmes Reißen war, dass ich irgendwie verhindern, mir ersparen wollte. Dabei hatte ich im Hinterkopf ja immer noch die Vorstellung, dass diese letzte Phase der Geburt bei mir allein von den physischen Voraussetzungen her gar nicht funktionieren können würde.)

Dies war eindeutig nicht der Fall, und Anke konnte ihr auch etwas die Angst davor nehmen. Außerdem sagte sie noch, und das war sehr wichtig für Simone, dass sie keine falschen Schamgefühle haben brauche. Es sei nun mal so, dass dieser ganze lange Prozess zwar beschönigend „gebären" genannt würde, aber in Wahr­heit sei es nun mal so, dass die Frauen ihre Babys eher „auskacken" würden. (An diese Aussage der Hebamme kann ich mich noch sehr deutlich erinnern - an vieles andere nicht mehr - auch dass ich darüber trotz Schmerzen ein bisschen Lächeln musste - weil es mir tatsächlich die Scham nahm, vor allem aber glaube ich, das es mir auch deshalb so in Erinnerung ist, weil ich es ein sehr gelungenes Bild insofern fand, als mir die Richtung und die Art des Pressens damit leichter gemacht wurden.)

Sehr bald meinte Simone, sie brauche doch etwas Platz zwischen den Beinen, sonst könne das Baby ja gar nicht durchtreten. Die Hebamme schien darauf gewartet zu haben, brachte ein Kissen, das sie Simone zwischen die Knie legte, und schlug vor, Simone könne ja das obere Bein während der Wehe mit einer Hand in Richtung Bauch an sich ziehen.

Von da an machten wir dies zusammen bei jeder Wehe. Ich lag nach wie vor an Simones Rücken, brummte ihr möglichst tief ins Ohr und zog mit der rechten Hand kraftvoll ihr Bein an. Dabei hatte ich das Gefühl, dass es für sie sehr hilfreich war, gegen diesen Gegendruck zu Pressen. Ich stellte mir vor, dass es ihr einen gewissen Halt verschaffte.

Nach etwa zwanzig Minuten hatten wir langsam etwas Routine entwickelt. Anke konnte sich von Simone lösen. Nun ging alles seinen Gang. Zum Teil ließ sie uns auch allein, um schnell Kaffee zu kochen, den Arzt anzurufen oder die Geburtslampe - ich glaube, sie nannte sie Storchenschnabel - zu holen. Es war aber nie so, dass sie wirklich weg war. Meistens konnte ich sie durch die große Flügeltür im anderen Zimmer direkt oder in dem an der gegenüberliegenden Wand hängenden großen Spiegel erkennen.

In dieser Phase sah ich auch einige Male auf die Uhr, und bemerkte, dass es draußen langsam Tag wurde und die Vögel schon zu zwitschern begonnen hatten (Dessen wurde ich erst nach der Geburt gewahr). Das lag natürlich auch daran, dass es nun etwas längere Ruhezeiten zwischen den Wehen gab. Diese hatte Simone allerdings auch bitter nötig, denn die Presswehen gingen ihr stark an die Substanz (Als ich mich auf das Pressen eingelassen hatte, kristallisierte sich für mich heraus, dass ich in einer Presswehe immer Kraft für etwa zweimal Pressen hatte. Danach nahm die Erschöpfung Überhand bzw. die Luft reichte auch nicht zu häufigerem Pressen aus. Ich war 5ttfroh, wenn die Presswehe endlich nachließ und ich nicht zu pressen hatte.)

Bald (nach einer Ewigkeit wie ich meine) sagte Anke, sie könne nun schon den Kopf erkennen und es dauere nicht mehr lange. Irgendwann war jetzt auch der Arzt, Herr Haferburg, angekommen, hielt sich aber sehr dezent im Hintergrund. Und dann war es soweit. Anke meinte, Simone solle mit der nächsten Wehe versuchen, dreimal hintereinander zu pressen. Das schaffte sie dann auch, und der Kopf war da. Ich wagte einen kurzen Blick, sah aber aus meiner Lage nicht

sehr viel (Ich wagte nicht hinzuschauen). Nun war der Arzt auch am Bett, in der Hand ein kleines Blasgerät, um damit dem Baby das Fruchtwasser und den Schleim aus dem Mund und den Nasenlöchern zu blasen. Ich wurde aufgefordert, nun auf die Uhr zu sehen, um den Geburtszeitpunkt zu bestimmen. Mit der nächsten Wehe war es soweit. Das ganze Baby flutschte heraus, und hinterher eine lange, dicke Nabelschnur. Es war 4.45 Uhr am Morgen des 15. Juli.

Nun war sie also da unsere Carla. Ich hatte vorher keine Ahnung, wie ich auf diesen Augenblick reagieren würde. Möglich war vieles. Ein Freund von uns, der kurz zuvor zum dritten mal Vater geworden war, hatte mir erzählt, daß er jedes mal in dieser Situation in Tränen ausgebrochen war. Ich konnte mir das auch für mich vorstellen, aber es war dann doch anders. Der Augenblick der Geburt hat für mich etwas Unbegreifliches behalten. Plötzlich liegt von einem Moment auf den anderen, ein konkreter kleiner Mensch vor einem, der unsicher und neugierig um sich schaut, ein bisschen schreit aber nicht viel, und atmet. Der schnelle Atem war eines der ersten Dinge, die mir auffielen. Es klang für mich zunächst sehr hektisch und aufgeregt.

Mein anfängliches Grundgefühl war eine etwas kritische Distanz, und ich war froh, dass Hebamme und Arzt zunächst vollends mit Carla beschäftigt waren. Es macht einen großen Unterschied, sich auf ein abstraktes Baby, das wahrscheinlich ein Mädchen sein wird, einzustellen und dann den wirklichen Menschen zu sehen. Sicherlich hatten wir in unseren Erwartungen beide gemischte Gefühle: Vorfreude, aber auch Angst, wie wird es aussehen, wem wird es ähnlich sehen, wird es ganz gesund sein, oder vielleicht doch etwas von meinem Hämangiom geerbt haben. Aber letztlich ist so viel am Tage der Geburt nicht zu erkennen. Und damit würde jeder von uns doch genug Zeit haben, sich aneinander zu gewöhnen.

Was zu erkennen war, war allerdings sehr hübsch und erfreulich. Sicherlich, Carla war wie jedes Baby, etwas gequetscht und verquollen, ein Auge war etwas blutunterlaufen, und die Haut rot und an vielen Stellen voller Käseschmiere. Aber sie hatte von Beginn an einen schönen runden Kopf mit vielen dunklen Haaren. Die großen Augen wirkten schon jetzt so, daß sie wohl dunkel werden würden. Anke fielen sofort ihre langen Wimpern auf. Außerdem hatte Carla nicht nur ein als Mongolenfleck bekanntes blaues Dreieck über dem Hintern, wie es viele eher dunkelhäutige Babys haben und auch ich bei meiner Geburt hatte, nein, bei Carla war gleich der ganze Hintern blau. Einige Tage später witzelten wir, der blaue Hintern stamme bestimmt von einer ihrer Urururgroßmütter aus der Familie meiner Mutter, einer gewissen Baronesse von Vietinghoff-Scheel (geb. 1829). Was wir auch recht bald entdeckten, allerdings weiß ich nicht mehr genau, ob in diesen ersten Stunden, war die spitze Oberlippe, das leicht ange-knabberte linke Ohr, und der zweite Zeh, der länger als der große Zeh ist. Alles Merkmale, die eindeutig aus dem Hause Will stammen.

Es sollte noch etwas dauern, bis die Hebamme Carla Simone an die Brust legte. Zunächst legte sie Carla in ein Handtuch gewickelt zu Simones Füßen, denn noch war Carla mit Simone durch die Nabelschnur verbunden, und dieses verglichen mit meinen Vorstellungen doch recht monströse Ding, pulsierte noch für einige Minuten kräftig. Auf Ankes Aufforderung hin fühlte ich kurz diesen pulsieren­den, durchsichtig weißen, warmen Schlauch. Es war ein sonderbares, intimes und etwas unheimliches Gefühl, diesen Lebensstrang zu spüren.

Nach etwa fünf bis zehn Minuten hatte die Nabelschnur aufgehört zu pulsieren. Anke bot mir an, die Schnur zu durchschneiden. Viele empfinden dies wohl als einen entscheidenden symbolischen Akt. Ich hatte mir darüber keine großen Gedanken gemacht, aber ich habe ja generell nicht soviel für große Symbolik übrig. Doch Simone, die langsam wieder etwas zu Kräften kam, meinte auch, ich solle das doch ruhig tun, man wisse ja nie, ob es später einmal doch wichtig wird ...  Also nahm ich die Schere und entließ Car\a endgültig in unsere Welt. Kurz darauf platschte die Nachgeburt mit reichlich Schwung zwischen Simones Beine, so daß die Blutspritzer die eingepackte Carla nur knapp verfehlten. Anke griff die vollständige Plazenta, hielt sie in die Höhe und fragte kurz, ob wir diese behalten wollten. Wir warfen beide nur einen kurzen Blick auf das große blutige Stück Fleisch an dem noch die Nabelschnur hing, und lehnten dankend ab.

Vor oder nach der Nachgeburt spritzte der Arzt Simone ein Kontraktionsmittel, damit sich ihre Gebärmutter möglichst bald zusammenzöge, und damit stärkere Blutungen vermieden würden.

Danach legte Anke Carla an Simones Seite, so dass nun endlich Mutter und Kind sich etwas näher kennen lernen konnten. Ich nutzte die Gelegenheit, und holte unseren Photoapparat, um die ersten Bilder zu schießen. Anschließend, bat ich Anke, ein paar Bilder von uns dreien zu machen. Dann half Anke Mutter und Kind beim ersten Stillversuch.

Nach einer Weile mussten sich die beiden allerdings wieder brennen, denn Carla sollte untersucht, gewickelt und angezogen werden. Etwas unbeholfen suchte ich die ersten Kleider für Carla aus unserem kleinen mitgebrachten Sortiment heraus. Die Untersuchung ergab, dass Carla ein gesundes Baby war. Körpergewicht 3930 Gramm, Länge 54 cm, Brust- und Schädelumfang jeweils 36 cm. Zu meiner Erleichterung wirkte sie auch viel weniger zerbrechlich, als ich es mir vorge­stellt hatte, und was meine anstehende Wickelaufgabe schwieriger gemacht hätte.

Carla hatte während der ganzen Zeit sehr wenig geschrieen. Auch nach dem Anziehen ließ sie sich ohne Widerstand in unsere mitgebrachte Liegetasche betten. Die ganzen Ereignisse hatten sie offensichtlich schon so beansprucht, dass sie sofort schlapp machte, und gleich einschlief.

Das war auch gut so, denn so konnten Anke und ich uns um Simone kümmern. Herr Haferburg hatte sich bereits verabschiedet, nachdem er auch Simone kurz untersucht hatte. Simone ging es den Umständen entsprechend bestens. Sie hatte keinen Dammschnitt gebraucht, und auch keinen äußeren Riß erleiden müssen. Der Arzt hatte lediglich einen kleinen inneren Riß festgestellt, der aber nicht genäht werden brauchte und auch bald verheilen würde.

Als nächster und letzter Punkt stand nun Simones Gang in die Dusche auf der Tagesordnung. Das klingt einfach, ist aber nicht zu unterschätzen, wenn frau gerade entbunden hat. Anke warnte schon vor, daß Simones Kreislauf erst mal wieder auf Touren gebracht werden müsse. Außerdem sei es ein sehr merkwürdiges und unangenehmes Gefühl, wenn durch das Aufrichten Simones Lunge und andere Organe nun nach unten wieder mehr Platz hätten und dadurch gefühlsmäßig ins Bodenlose fallen würden (so war es dann auch).

Jedenfalls stützten wir Simone von beiden Seiten und halfen ihr, sich langsam aufzurichten. Anschließend musste sich sie sich erst mal auf dem Fleck bewegen, mit den Füßen freien und die Arme etwas rudern, und so den Kreislauf wieder etwas stabilisieren. Nach einigen Minuten bewegten wir uns langsam ins Bad, bis Simone schließlich in der Dusche angelangt war. Das war nun die Zeit für mich einen kleinen Happen Fruchtschnitte zu essen und unsere Sachen langsam zusammenzupacken. Nach dem Duschen half ich Simone beim Anziehen.

Doch schließlich gab es nichts mehr zu tun, als den Heimweg anzutreten. Nachdem ich zuerst unsere Taschen ins Auto gepackt hatte, verabschiedeten wir uns von Anke. Dann traten wir zusammen, ich die Liegetasche in der Hand immer in Simones Nähe, falls diese mich als Stütze brauchte, auf die Straße.

Es war kurz nach 7 Uhr morgens. Ein sonniger Sommermorgen in einer wegen der Urlaubszeit angenehm wenig belebten Stadt. So starteten wir als frische Kleinfamilie mit sicherlich gemischten Gefühlen aus Stolz, Erleichterung, Müdigkeit und etwas Bangen, ob wir das alles schaffen könnten, in eine Ungewisse Zukunft, die aber viel Freude und Spaß versprach. Doch ein Zurück gab es jetzt eh nicht mehr. Neben diesen großen Gefühlen freute ich mich aber auch einfach auf ein verdientes Frühstück zuhause.

Die folgenden zwei Wochen stand uns Anke noch mit Rat und Tat zur Seite, was wir sehr zu schätzen wussten. Und nun stehen wir bereits seit über zwei Wochen selbständig als Kleinfamilie auf den Beinen. Ich habe wieder angefangen, zu arbeiten, und Carla hat bereits einigen Babyspeck angesetzt, ist wahrscheinlich auch schon etwas gewachsen, und beginnt, lebhafter zu werden. Heute ist sie gerade einen Monat alt.

Nun warten wir stolzen Eltern schon ganz gespannt, auf ihr erstes „soziales" Lächeln...

zurück